Blindes Vertrauen

Bilder als Seismographien des Unsichtbaren

10.09.2010 - 16.10.2010

Francesc Abad, Jumana Emil Abboud, Monika Anselment, Renaud Auguste-Dormeuil, Antonia Bisig, Pep Dardanyà, Toni Giró, Mira Bernabeu, Simeón Saiz Ruiz, Quim Tarrida, Anna Simone Wallinger

 

Bild zur Ausstellung

Francesc Abad

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Jumana Emil Abboud

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Mira Bernabeu

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Anna Simone Wallinger

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Simeon Saiz Ruiz

Die Ausstellung »Blindes Vertrauen – Bilder als Seismographien des Unsichtbaren« thematisiert die so genannten »blinden Flecken« in der historischen,
politischen und sozialen Selbstwahrnehmung moderner Gesellschaften. Elf internationale Künstlerinnen und Künstler verhandeln jene neuralgischen Punkte des Verbergens bzw. der Unsichtbarkeit zentraler Problematiken, deren kollektive Ausblendung signifikant für den Zustand einer Gesellschaft und ihrer inneren und äußeren Positionierung ist. Im Rahmen legitimierter offizieller Bildpraktiken von Staat, Gesellschaft, Medien und Kunst finden sowohl bewusste als auch unbewusste Selektionsprozesse statt. Diese räumen bestimmten Kontexten eine prominente und umfassende Sichtbarkeit ein, während sie anderen diese dezidiert entziehen und so eine Korrektur von Lesbarkeiten und Sichtbarkeiten vornehmen. Gerade in zunehmend sich medial artikulierenden Gesellschaften fordern großenteils ökonomisierte Bilderpolitiken deshalb zu einer eingehenden Analyse von Aus- und Überblendungen auf.
Den Künstlerinnen und Künstlern gemeinsam ist ihre Fokussierung auf spezifische Themen und die Entwicklung experimenteller Arbeitsansätze an der Schnittstelle zwischen Analyse und Dokumentation. Sie begreifen ihre künstlerische Produktion als gesell schaftliche Forschungsarbeit, die prozesshaft entsteht und in visuell und haptisch erfahrbare Ergebnisse umgesetzt wird. In den versammelten Arbeiten der Ausstellung findet man insofern seismographisch genau die Aufdeckung jener Punkte, die in der Selbstwahrnehmung der jeweiligen gesellschaftlichen Identitäten nicht vorkommen oder dezidiert ausgeblendet werden. Dazu gehören z. B. militärische und strukturelle Gewalt, der Umgang mit Flüchtlingen und MigrantInnen oder historische (Dis-)Kontinuitäten. Ausgehend von den subjektiven Erfahrungen der Künstlerinnen und Künstler sind
dabei insbesondere die Untersuchung der Gründe und Ursachen für den Prozess des gesellschaftlichen Verbergens und ihre erfahrbare Offenlegung von Interesse. Insofern stellen die künstlerischen Arbeiten der Ausstellung den Versuch dar, diesen »blinden Flecken« zu einer neuen Sichtbarkeit zu verhelfen, sie zu decodieren und sie aus interdisziplinärer Perspektive zu untersuchen.
Die Zusammenschau der elf internationalen Positionen innerhalb der Ausstellung macht insofern ein enormes Potenzial sichtbar, das aus der subjektiven
Wahrnehmung und einer anderen Schreibung der gesellschaftlichen Wirklichkeit durch Künstlerinnen und Künstler resultiert. Sie hinterfragt das »blinde Vertrauen« in jene gesellschaftlichen Wirklichkeiten und ermöglicht gleichermaßen differenzierte wie kritische Perspektiven auf kollektive Legitimationsstrategien innerhalb einer Politik der
Bilder.
Die vorgestellten Künstlerinnen und Künstler arbeiten in allen zeitgenössischen Medien. Insofern bringt die Ausstellung Filme, Fotografien, Installationen, Malerei und Skulptur zusammen. Das Konzept ist so angelegt, dass die Schnittstellen der jeweiligen inhaltlichen Ansätze sichtbar werden und die Arbeiten in einen komplexen Dialog treten
können. Ein weiteres Kriterium der kuratorischen Ausrichtung ist die Verbindung der bildkünstlerischen Positionen mit solchen aus anderen wissenschaftlich-literarischen Disziplinen, deren Statements und Überlegungen zu Thema und Ausrichtung der Ausstellung wesentlich in die vorliegende Publikation eingeflossen sind.
Namhafte Schriftsteller, Denker und Forscher, die zu analogen Themen arbeiten, wurden eingeladen, ihre Thesen und Ansätze sowohl innerhalb eines umfangreichen Begleitprogramms zu vertreten als sie darüber hinaus in eine Beziehung zu den in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Positionen zu setzen. Die Bedeutung dieser unterschiedlichen »Seismographen« der gesellschaftlichen Realitäten wird dadurch in ihrem interdependenten Kontext offenbar und somit die Komplexität gesellschaftlicher Prozesse und ihrer Verdrängungsmechanismen aus mehreren Perspektiven dargelegt.

kuratiert von Magdala Perpinyà und Monika Anselment

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog (196 Seiten) mit Texten von Esther Dischereit, Linda Hentschel, Paulo Moura, Àngel Quintana, Montse Romaní, Simeón Saiz Ruiz und Toni Sala.

Gefördert durch das Institut Ramon Llull, das spanische Außenministerium, das spanische Kultusministerium, SEACEX Sociedad Estatal para la Acción Cultural Exterior, die Botschaft von Spanien, das Institut français - Bureau de la création artistique - Arts plastiques und Culturesfrance.





Mit freundlicher Unterstützung des Hotel Les Nations.




Hinweis: Diese Ausstellung ist bereits beendet!





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