muster/stadt/modell/stadt & New York - Brest - Venezia

16.04.2010 - 22.05.2010

Ursula Döbereiner, Stéphanie Nava, Katharina Schmidt & Bettina Hutschek

 

Bild zur Ausstellung

Ursula Döbereiner

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Stéphanie Nava

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Katharina Schmidt

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Bettina Hutschek

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Ursula Döbereiner

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Stéphanie Nava

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Bettina Hutschek

muster/stadt/modell/stadt

Die Ausstellung »muster / stadt / modell / stadt« zeigt Arbeiten, die verschiedene Aspekte des Verhältnisses von Stadt und Körper sowie die Wahrnehmung dieses Verhältnisses reflektieren.

Ähnlich eines Pop-ups oder eines Werbeaufstellers repräsentiert die Installation »kotti008« (2009/10) von Ursula Döbereiner eine dreidimensionale Variante von 22 Zeichnungen, die – ausgehend von Fassadenfotografien eines Wohnblocks – verschiedene Blickachsen miteinander verknüpft. Die Zeichnungen wurden in Scherenschnitte aus Wellpappe transformiert, die sich an der durchschnittlichen Zimmerhöhe von ca. 2,40 m und menschlichen Körpermaßen orientieren. Räumlich sind die Scherenschnitte so angeordnet, wie Fassadenansichten beim Abschreiten eines realen Gebäudes wahrgenommen werden können. Insofern ist die Skulptur ein imaginär-reales Modell, das sowohl die Perspektiven, ihre Verzerrungen und die Blickachsen einer Realraumerfahrung nachzeichnet als auch Abbildungsmöglichkeiten, die Repräsentation unterschiedlicher Raumkategorien und deren (De)Konstruktion zur Disposition stellt.

Die Skulptur »Lieu commun (fondazione e legatura)« (2007) von Stéphanie Nava ist als Modell einer geradezu perfekt wirkenden, modernistischen Stadt ausformuliert, die auf einer instabil scheinenden Konstruktion aus rohen Holzbrettern steht. Zusammengehalten wird dieses Stadtmodell, das gleichermassen eine Modellstadt repräsentiert, von einem breiten, provisorisch geknoteten Gummiband.
Die paradoxe Verbindung aus soliden Basismaterialien, die aber auf sehr fragile Weise zusammengefügt sind, impliziert eine bewusst erzeugte Spannung, die auf die Möglichkeit eines Bruches verweist. Insbesondere das Gummiband, das – fast wie ein Geschenkband drapiert – den Zusammenhalt der modularen Elemente der Skulptur garantiert, schnürt diese auch unveränderbar ein. Der städtische Raum als Ort sozialer Interaktion wird somit als Raum ausgewiesen, dessen Funktion und Qualität durch seine urbane und architektonische Konzeption determinierter wird.

Die Wandarbeit »Hosen – Turmstraße – Berlin« (2010) von Katharina Schmidt besteht aus versetzt geklebten Plakaten, die jedes für sich stehend abstrakte, weiße Zeichen auf einem durch gestische Pinselstriche markierten Hintergrund zeigen. Das Multiplizieren und die Anordnung der einzelnen gedruckten Papierbögen fördert eine weitere Zeichenebene zutage. Es ergibt sich das Schnittmuster einer Hose im Maßstab 1 : 1, das sich, nunmehr geometrisch angeordnet, in verschiedenen Positionen über die Wand verteilt. Der menschliche Körper bzw. dessen Repräsentation wird zu einem ornamentalen, entindividualisierten Icon, dessen Existenz und Präsenz auf der Fragmentierung und deren serieller Reproduktion beruht.

New York – Brest – Venezia

Im Zentrum der künstlerischen Arbeiten von Bettina Hutschek steht das Thema der Wahrnehmung von Raum und Territorium. Insbesondere geht es ihr dabei um fiktive Dimensionen sowie die Einschreibungen kollektiver und individueller Erinnerung in jene Raumkonstruktionen.

Den Ausgangspunkt der Arbeiten bilden erzählerische bzw. bildliche Fragmente der gelebten Wirklichkeit, die miteinander verwoben, mit fiktiven Elementen angereichert und zu einer Metanarration weiterentwickelt werden. All diesen fiktiven »Erklärungsmodellen« ist die Frage nach bildlicher Repräsentation, sowie deren symbolischer und politischer Wirkungsweise und Macht immanent.

Die Ausstellung »New York – Brest – Venezia« stellt Portraits dreier Städte vor, deren urbane Räume Orte mentaler Projektionen und Mythen sind, gleichermaßen aber auch als Platzhalter für eine generelle Analyse städtischer Lebens- und Handlungsräume dienen.

Stadt wird hierbei als eine Hyper-Struktur beschrieben, die zwischen dem Realen, dem Fiktiven und dem Imaginären angesiedelt ist. In diesem als ›Mega-Stadt‹ beschriebenen Raum ist Architektur sowohl Ausdruck und Verkörperung als auch Störung der eingeschriebenen Mythen, Erinnerungen und Kräfte der Natur. Das utopische Potential der durch die Arbeiten betrachteten Raumkonstruktionen stellt sich über Bettina Hutscheks spezifischen Blick und eine poetische Umsetzung her. Im Rahmen der Ausstellung werden die drei Städte über jeweils ein »Kapitel« reflektiert. Jedes dieser Kapitel besteht aus einem Film sowie Fotografien bzw. Wandcollagen, wobei die Filme jeweils unterschiedlich präsentiert werden.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem centre d‘art passerelle, Brest (Frankreich) und wurde dort vom 20. Februar bis 10. April 2010 gezeigt.

kuratiert von Ulrike Kremeier, Direktorin centre d’art passerelle


Hinweis: Diese Ausstellung ist bereits beendet!





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