Moabiter Kulturtage 2007 - Ausstellung

28.06.2007 - 21.07.2007

Heather Allen, Silvia Klara Breitwieser, Gregor Cürten, Anke Deichmann, Kiki Gebauer, Thomas Hering, Det Kraus, Megumi Oka, Pfelder, Bärbel Rothhaar, Karen Scheper de Aguirre, Katja Sehl, Beate Spitzmüller, Veronika Witte und Simone Zaugg

 

Bild zur Ausstellung

Bei den Dreharbeiten: Lothar Lambert, René Koch, Hans Marquardt (Foto: Erika Rabau)

Ausstellung zu den Moabiter Kulturtagen 2007, 28. Juni – 21. Juli 2007

Kurzinformationen zu den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern

Wie in jedem Jahr zeigt die Galerie Nord anlässlich der Moabiter Kulturtage 2007 einen Querschnitt von Arbeiten derjenigen Moabiter Künstlerinnen und Künstler, die zwar im Stadtteil leben, aber nicht die Möglichkeit haben, ihr Atelier für das Publikum zu öffnen.
Eine fünfköpfige Jury hatte die Aufgabe, 15 Positionen aus einer ungleich größeren Anzahl von Künstlerbewerbungen auszuwählen. Kriterien für die Auswahl waren allein die Qualität der künstlerischen Arbeit hinsichtlich interessanter inhaltlicher und formaler Aspekte sowie innovativer Ansätze. Den künstlerischen Gattungen entsprechend wurden sowohl malerische, zeichnerische und installativ-skulpturale Positionen ausgewählt, als auch KünstlerInnen, die mit Fotografie und Videokunst arbeiten.

Beate Spitzmüller präsentiert zwei Gruppen von konzeptuellen Zeichnungen, die in klar strukturierten Arbeitsprozessen aktuellen Fragen nach Zeitlichkeit und Raum nachgehen. Die Zeichnungen sind in unterschiedlichen Zeitsegmenten und zum Teil beim gleichzeitigen Hören musikalischer Kompositionen von Steve Reich entstanden. Formal interessant ist die kompositorische Konzentration der Linienführung und die unterschiedliche Präsenz der Linien durch das gleichzeitige Arbeiten mit der linken und der rechten Hand. Kiki Gebauer zeigt analog zu ihren Wasserzeichen an der Moabiter Spree ein neues begehbares Raumobjekt, das ihre konstruktiv-konkreten Konzepte im dreidimensionalen Raum umsetzt. In der Tradition der konkreten Kunst eröffnet ihre Installation den Einblick in die unendlich sich fortsetzende Räumlichkeit geometrischer Figuren. Anke Deichmann zeigt eine Serie von freien Zeichnungen, die sich ebenfalls freien und abstrakten Raumfragen in der produktiven Tradition des Informel widmen, die aber nicht nur durch den eindeutigen Titel Reminiszenzen an natürliche Gegenstände bzw. Figurationen wecken.
Die Konzeptkünstlerin Silvia K. Breitwieser bespielt u.a. die Fensterflächen der Galerie mit einer umfangreichen Textarbeit, die signifikante Zitate historischer, preußischer Persönlichkeiten im Kontext des heutigen Berlin wiedergibt. Die Arbeit entstand für ein Ausstellungsprojekt in den preußischen Schlössern und Gärten Potsdam-Sanssouci. In ihrer Installation „Mannsbilder - Frauenzimmer“ untersucht Breitwieser Fragen nach geschlechterbedingter Sichtbarkeit bzw. Unsichtbarkeit und sprachlichen Formen der räumlichen Vergegenwärtigung.
Die Engländerin Heather Allen präsentiert neben einem Zusammenschnitt kurzer Videoarbeiten eine beeindruckende Rauminstallation mit charakteristischen Figurinen, deren weibliche gewissermaßen das Alter Ego der Künstlerin formulieren. Signifikant sind die Beziehungen der Figuren untereinander, die sowohl durch Gesten als auch Blicke in der Tradition der europäischen Kunstgeschichte hergestellt werden. Ebenso persönliche und biographische Bezugspunkte suchen die gezeichneten Bildgeschichten der Japanerin Megumi Oka. Analog zu den jüngsten grafischen Entwicklungen in Japan nutzt sie die enge Verbindung von Text und Bild zur Rekonstruktion ganz persönlicher Erinnerungen und Wahrnehmungen. Aus der Zufälligkeit künstlerischer Formen entstehen kleine Bildgeschichten und generieren sich Akteure.
Ergebnisse der künstlerischen Arbeit mit den neuen medialen Gestaltungsspielräumen des Computers stellen die sog. Virtugraphien von Det Kraus dar. In ihrer formalen Reduktion ist nicht immer ersichtlich, ob sich die Formen aus natürlichen Vorbildern speisen oder allein abstrakte grafische Arbeiten darstellen. Die analytische Blickweise erinnert an die natürlichen Formenstudien von Ernst Haeckel oder auch die fotografischen Arbeiten Karl Blossfeldts aus den 1920er Jahren.
Ebenso wie Det Kraus beschäftigt sich auch Karen Scheper de Aguirre mit Rapporten und Mustern im Verhältnis zu freien Formen. Es entstehen zunächst hermetische Strukturen und Raumanalysen, die aufgrund ihrer literarischen Grundlagen des Science Fiction dennoch quasi narrative Strukturen entwickeln. In der Fortsetzung einer Reihe künstlerischer Projekte in der Natur zeigt Bärbel Rothhaar eine neue Videoarbeit mit einem Bienenschwarm, der die menschliche Arbeit mit Artefakten unter entsprechend veränderten Kategorien weiterführt. Das in der Skulptur verwendete Material des Bienenwachses wird so durch die Arbeit der Bienen wieder aus dem Bereich der Kultur in Natur zurückverwandelt. Ungleich artifizieller erscheinen dagegen die großformatigen fotografischen Raumkonzeptionen von Thomas Hering, der ausgehend von gebauten Raummodellen über Privatheit und Intimität, über menschlichen Lebensbereich und künstlerische Inszenierung reflektiert. Interessant ist die deutliche Sichtbarkeit des Herstellungsprozesses der Modellräume, in der der Künstler nicht ohne Ironie auch Malerei verhandelt. Wie bereits in der gerade zu Ende gegangenen Ausstellung „Von der Liebe“ zeigt der Maler Gregor Cürten eine aktuell für die Ausstellung entstandene großformatige Leinwand, die in Fortsetzung seiner bisherigen Arbeiten auf dem medialen Bildgedächtnis der Gegenwart basiert. Grundlage des Bildes ist ein Dokumentarfilm aus den 1960er Jahren, in dem der Lebensalltag von Industriearbeitern thematisiert ist. Wie auch einige der anderen Beiträge zur Ausstellung widmet sich Veronika Witte in ihrer neuen zweikanaligen Videoarbeit „Wish you were here“, die jüngst erstmalig in den Berliner Sophiensälen zu sehen war, identitären Fragestellungen im Zeitalter von Gentechnologie. Zwei äußerlich identische Personen beginnen im virtuellen Raum idealer Orte miteinander zu agieren. Die Motive des Videos speisen sich aus den Ergebnissen von Interviews mit Moabiter BürgerInnen, die darauf hin befragt wurden, wo und wer sie gern wären, wenn es die Möglichkeiten gäbe. Katja Sehl präsentiert eine Auswahl aus den Tagebuch- und Traumskizzen „equinox“, die sie aus Zeichnungen, Monotypien und Textfragmenten collagiert und in neue inhaltliche Referenzebenen transformiert. Auch ihre großformatige monochrome Arbeit lässt trotz der formalen Reduktion Texturen erkennen und verlässt die absolute Form der Minimal-Art. Einen deutlichen Bezug zum Moabiter Umfeld stellt eine neue Videoarbeit von Pfelder dar, die als integraler Bestandteil einer Rauminstallation Bewegungs- und Wahrnehmungsstrukturen im Alltag nachgeht. In Echtzeit kann man auf einer skurrilen Gartenbank sitzend startende Flugzeuge des Flughafens Tegel verfolgen. Sie erscheinen nur für einen kurzen Moment im begrenzten Blickfeld einer Berliner Straßenschlucht. Als letzter Beitrag zur diesjährigen Ausstellung anlässlich der Moabiter Kulturtage zeigt die Schweizer Künstlerin Simone Zaugg eine großformatige Fotoarbeit, in der anhand eines zunächst melancholisch anmutenden Bildmotivs weitergehende Fragen nach persönlichen Verhaltensmustern und kollektiven Handlungserwartungen verhandelt werden. Aufgetragen auf einen leicht flatternden Stoff spielt die Arbeit mit Assoziationen an Melancholie, Vergänglichkeit und Ortlosigkeit.


Hinweis: Diese Ausstellung ist bereits beendet!


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