flat roof | Zeugen der Abwesenheit

08.12.2006 - 27.01.2007

Lars Mathisen | Daniela Comani, Edith Dakovic, Ursula Döbereiner

 

Bild zur Ausstellung

Lars Mathisen

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Edith Dakovic

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Ursula Döbereiner

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Daniela Comani

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Für die freundliche Unterstützung der Ausstellung danken wir dem Danish Arts Council

flat roof

Lars Mathisen

Die Ausstellung “flat roof” besteht aus einer Installation, die auf vier Videoprojektionen basiert. Die Videos werden auf sandwichartig montierten, silberfarbenen Projektionsflächen gezeigt, die frei im Raum schweben. In die Projektionsflächen integrierte Lautsprecher und unterschiedlich farbige, floureszierende Leuchtröhren, bestimmen das räumliche Setting der Installation. Die hängenden Bildflächen, die gleichzeitig diffuse Leuchtkörper und ebenso die Soundquellen bilden, stellen ein räumlich quasi autonomes Szenario im Verhältnis zur Primärarchitektur des Ausstellungsraumes her.

Ebenso wenig wie die Präsenz der Videos an den konkreten Raum gekoppelt zu sein scheint, lässt sich der Handlungsraum der filmischen Narration verorten. Die unterschiedlichen, sich aber ähnelnden Filmsequenzen fokussieren auf einen Mann und eine Frau, die sich an einem indifferent anmutenden Ort kommunikativ einander anzunähern versuchen. Sichtbar ist den beiden die Präsenz der Kamera, die jenen Kommunikationsprozess, damit einhergehende Gesten usw aufzeichnet, bewusst. Die verschiedenen Projektionen entsprechen unterschiedlichen Kameras, die die kreisförmigen Bewegungen des Paars sequenziell dokumentieren und ebenso wiedergeben, so dass sich über die Installationsweise der Projektionsflächen eine fragmentierte Repräsentation des Realraumes ergibt. Gleichermassen sind auch die Geräusche nicht linear, indem Versatzstücke des Dialogs durch städtischen Strassenlärm etc überlagert werden.

“flat roof” reflektiert Fragen nach filmisch-narrativer Repräsentation performativer Handlungen, Kommunikation und psycho-sozialer Raumkonstruktion einerseits und deren Reinszenierung andererseits.

Für die freundliche Unterstützung der Ausstellung von Lars Mathisen danken wir Kunstradet / Danish Arts Council.

Zeugen der Abwesenheit

Daniela Comani, Edith Dakovic, Ursula Döbereiner

Im Rahmen der Ausstellung “Zeugen der Abwesenheit” werden Arbeiten der Künstlerinnen Daniela Comani, Edith Dakovic und Ursula Döbereiner gezeigt. Der Zusammenhang zwischen den drei Positionen stellt sich über die Reflexionsansätze zu Fragen der Repräsentation von Raum und Subjekt / Körper sowie deren Bezugsfeldern her.

Daniela Comani: double drawings (1995 – 2005)

Die formale Konzeption der “double drawings” basiert auf dem Prinzip der permanten Überlagerung, indem übereinander gelegte Blätter mit jeweils unterschiedlichen Sujets zu disparaten Montagen zusammengefügt werden. Innerhalb der einzelnen Zeichnungen werden über schlichte Umrisslinien mit Bleistift oder Tusche auf Transparentpapier die Bilderwelten einer abstrahierten massenmedialen Repräsentation sogenannter Wirklichkeit organisiert. Die durch die (austauschbare) Schichtung der Motive entstehenden Erzählungen sind weder linear, noch spezifisch. Vielmehr verweisen sie auf das Auseinanderdriften unterschiedlicher Ereignisse, ihrer Handlungsorte sowie damit verbundener Akteure und vor allem ihrer medialen (Re)produktion und Distribution. Raumzeitliche Zusammenhänge werden aufgesplittet, indem die Motive aus ihrem Kontext herausgelöst, isoliert dargestellt und förmlich bausteinartig miteinander verknüpft werden. Sowohl durch die Option der geradezu beliebig zu kombinierenden Sujets und Bildträger als auch durch die Art ihrer Repräsentation werden die “double drawings” zu einer kritischen Reflexion des Wirklichkeitsbezugs moderner Massenmedien.

Edith Dakovic: Mer-made Products (2005/06)

Die lose Serie aufblasbarer Skulpturen greift auf unterschiedliche Formen von Wassersportaccessoires zurück: u.a. Schwimmflügel, -westen und –ringe.

Während die Grössen der Skulpturen denen der Referenzobjekte entsprechen, weichen Farbigkeit und Oberflächenstruktur wesentlich von denen der Vorbilder ab. Denn anstatt aus quietschbuntem Plastik bestehen Dakovics Skulpturen aus einem silikonbasierten Gummimaterial, das - in einem aufwändigen Schichtungsverfahren hergestellt - die Oberfläche menschlicher Haut nachbildet. Neben Leberflecken, Hautunebenheiten, kleinen Warzen u.ä. sind ebenfalls Zeichungen in jene Oberflächen eingearbeitet. Die Zeichnungen, die in den “Mer-made Products” inkorporiert sind, greifen auf das klassische Formenvokabukar konventioneller Matrosentätowierungen zurück: Meerjungfrauen, Anker etc.

Die handelsüblichen Freizeitartikel, auf die die Skulpturen rekurrieren, fungieren als Hilfsmittel, indem sie den menschlichen Körper um spezifische Funktionen erweitern. Die “Mer-made Products” hingegen transformieren die Form eines Massenproduktes zum symbolischen Körpersubsitut in welches populäre Sehnsuchtsmotive eingeschrieben sind.

Ursula Döbereiner: esc003 (2006)

Die in Form einer Tapete geplottete Digitalzeichnung rekuriert auf die Innenraumgestaltung des von König Ludwig II. von Bayern gebauten Schloss Linderhof. Die Entwürfe jenes um 1870 errichteten Schlosses zeugen von den obsessiven Weltfluchtversuchen des Auftraggebers, der über die Prinzipien einer illusionistischen Architektur neobarocker Prägung die Schaffung einer künstlichen Welt vermeintlicher Abgeschiedenheit herzustellen suchte. Die architektonische Inszenierung dieser Räumlichkeiten, in denen die Grenzen von gebautem, gemaltem und gespiegeltem Raum miteinander verschmelzen, werden durch (und in) Ursula Döbereiners Zeichnungsinstallation aufgenommen, collagiert und transformiert. Innerhalb der Digitalzeichnung, die auf Fotografien der Originalräume basiert, werden die unterschiedlichen Konstruktionsebenen des illusionistischen Realraums auf der zweidimensionalen Zeichnung abstrahiert und egalisiert. Gleichzeitig aber stellt die Zeichnung durch die raumumfassende Installation des Tapetenplots die Architektur des realen Ausstellungsraums in Frage, indem jener Realraum mit der Repräsentation eines imaginären Raum ausgekleidet wird und somit eine eigene Wirklichkeit herstellt.

Ulrike Kremeier

(Hinweis: Die Galerie Nord bleibt vom 23.12.06. - 3.01.07 für das Publikum geschlossen)



Hinweis: Diese Ausstellung ist bereits beendet!


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