Strategien in prekären Zeiten

11.08.2017 - 16.09.2017

Francesc Abad

 

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Rippen des Jahrhunderts

Eröffnung: Freitag, 11. August, 19 Uhr
Begrüßung und Einführung: Veronika Witte

Kuratiert von Monika Anselment, Miquel Bardagil und Magdala Perpinyà

Die Ausstellung Strategien in prekären Zeiten vereint jüngere Arbeiten des katalanischen Künstlers Francesc Abads mit Elementen älterer Projekte, um sie in einer neuen Konstellation zu präsentieren. Über allem steht die Frage, was Kunst in einer Zeit, wo ihre gesellschaftliche Existenz prekär geworden ist, mit einfachen, aus der Unsicherheit geborenen und finanziell beschränkten Mitteln zu leisten vermag und wie künstlerisches Schaffen sich die Freiheit bewahren kann, Sand im Getriebe zu sein. Der Titel verweist zum einen auf die politische und ökonomische Krise und den damit verbundenen Abbau sozialer Leistungen. Er verweist aber auch auf eine geistige Verarmung in dem Sinn, dass kritisches Denken da, wo es am meisten gebraucht wird, einen schweren Stand hat. In dieser Situation birgt die Strategie, in nicht vermarktbaren Äußerungsformen eine Rand­existenz zu führen, für die Kunst ein Widerstandspotenzial. Sie muss sich nur wieder darauf besinnen. „Ohé, partisans! CULTURE“, diesen der französischen Résistance entlehnten Aufruf schleudert Abad heute dem Kulturbetrieb entgegen. Die Krise des Kapitals muss nicht notwendig eine Krise der Kultur sein. Kunst kommt auch mit wenigen Mitteln aus, erst recht, wenn sie sich nicht als abgeschlossenes, goutierbares Produkt präsentiert, sondern als offener Prozess in seiner ganzen Fragilität. Das zeigen Francesc Abads tragbare Archive kritischen Denkens, die immer wieder neu zur Reflexion über die von dem medial geförderten Einheitsdenken ausgeblendeten Fragen einladen und gerade in der bewusst gewählten Einfachheit des Materials – auch dies eine Strategie in ökonomisch und kulturell prekären Zeiten – eine ganz eigene Ästhetik entwickeln.
In Berlin ist der 1944 in der katalanischen Industriestadt Terrassa geborene Konzeptkünstler kein Unbekannter. Im Kunstverein Tiergarten waren 2010 im Rahmen der Ausstellung Blindes Vertrauen seine Arbeiten Blockhaus und Winnipeg zu sehen. 2008 präsentierte das Institut Ramon Llull zusammen mit dem Instituto Cervantes die um Walter Benjamins Thesen Über den Begriff der Geschichte kreisende Retro­spektive block W. B. Die Idee eines Denkens, das Bilder erschafft. Sie bezeugte den großen Einfluss des an der spanisch-französischen Grenze auf der Flucht vor den Nationalsozialisten umgekommenen Philosophen auf das politische, ästhetische und ethische Selbstverständnis sowie auf die Arbeitsmethode des Künstlers. Das Zitieren und Montieren disparater Elemente, deren Aufeinanderprallen im Blick des Betrachters Funken der Erkenntnis schlagen können, ist dabei eine der wesentlichen Techniken.
Die hier gezeigten Arbeiten setzen sich mit dem Begriff der Zeit und der Erinnerung als Faktor biografischer und historischer, individueller und kollektiver Erfahrung auseinander. Das Bemühen um die Rettung des Gedächtnisses der Namenlosen verschränkt sich mit der Frage, ob utopisches Denken als Entwurf einer Zukunft unter anderen, gerechteren Vorzeichen nach dem Niedergang der großen sozialen Utopien noch möglich ist. (Claudia Kalász)

Ein Katalog-Pdf mit weiterführenden Informationen können Sie hier herunterladen.


Mit freundlicher Unterstützung vom Institut Ramon Llull (www.llull.cat), von Acción Cultural Española (www.accioncultural.es, AC/E) und von den bezirk­lichen Förderfonds der Senatsverwaltung Kultur und Europa.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem ACVic Centre d'Arts Contemporànies, Barcelona.
Konzept und Produktion der Ausstellung: ACVic Centre d’Arts Contemporànies und Ramon Parramon




Hinweis: Diese Ausstellung ist bereits beendet!





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