Beziehungsweisen

28.04.2015 - 06.06.2015

Gregor Cürten

 

Bild zur Ausstellung

Bansin, ca. 1954, (2009)

Bild zur Ausstellung

Klaus K. (2010)

Bild zur Ausstellung

Troisdorf, ca. 1968 (2010)

Bild zur Ausstellung

Lenin (2010)

Eröffnung: Dienstag, 28. April, 19 Uhr
Begrüßung: Dr. Ralf F. Hartmann, Kunstverein Tiergarten
Einführung: Dr. Rosa von der Schulenburg, Akademie der Künste Berlin

Im Rahmen einer retrospektiv angelegten Einzelausstellung zeigt der Kunstverein Tiergarten eine umfassende Auswahl von Gemälden und Zeichnungen des in Moabit lebenden Malers und Zeichners Gregor Cürten (*1947).

Die Arbeit des Künstlers artikuliert sich seit den frühen 1980er Jahren in dem sensiblen Grenzbereich zwischen figurativer Narration und bildanalytischem Konzept, in dessen Zentrum immer wieder die Darstellung der menschlichen Figur steht. Auf der Grundlage eines umfangreichen Archivs von Presse- und Medienbildern sowie persönlichen bzw. zufällig zusammen getragenen Fotografien entwickelt Cürten eindrückliche Bildmetaphern, die sich maßgeblich über die Repräsentation von sowohl bekannten als auch unbekannten Personen erschließen. Wie Repräsentanten verschiedener Zeiten und gesellschaftlicher Zustände stehen sich prominentes und weniger prominentes Personal gegenüber, mischen sich die Portraits distinguierter älterer Herren unter die unschuldigen Bildnisse junger Mädchen und Knaben, vermengen sich Persönlichkeiten der Zeitgeschichte mit solchen, die längst dem Vergessen anheim gefallen sind.

In dieser Gesellschaft der Gleichzeitigkeit tritt anstelle von Differenz die Analogie, erwächst aus dem scheinbar zufälligen Zusammenkommen verschiedener Akteure eine subjektive Ahnengalerie des 20. Jahrhunderts, die auf eindringliche Weise jene politischen, sozialen und kulturellen Jahrzehnte nachzeichnet, welche den Künstler zunächst in Köln und später in Berlin nachhaltig prägten.

Charakteristisch für Cürtens Zugriff auf das Bildmaterial sind seine Reduktion auf signifikante Bildausschnitte und die Fokussierung auf exemplarische Szenen, Physiognomien und
Gesten. Diese stehen isoliert in einem weitgehend abstrahierten Raumgefüge und avancieren zu letzten Inseln einer erkennenden Gewissheit. Anhand dieser parallel eingesetzten Strategien des Sichtbarmachens und Ausblendens werden persönliche Wertungen und subjektive Auswahlkriterien des Künstlers im Zugriff auf den Pool historischer Bildvorlagen deutlich.

Cürtens Arbeiten destillieren das Bildgedächtnis ganzer Generationen jenseits der offiziellen Bilderwelt durch einen schonungslosen Blick auf die gleichermaßen beklemmende wie absurde Banalität alltäglicher Szenen, die immer wieder in ein konfrontatives Verhältnis zu herausragenden Persönlichkeiten und Ereignissen der Zeitgeschichte gesetzt werden. Daraus verwirklicht sich das Konzept einer subjektiven historischen Aneignung von Bildmaterial, mit dem der Künstler die selektiven Mechanismen im Prozess des kollektiven Gedenkens und Erinnerns anschaulich werden lässt.

Gerade um diese Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses geht es dem Maler, wenn er sein subjektives Bildarsenal mit jener offiziellen Bildwelt der Geschichte abgleicht, wenn er Verwerfungen, Überblendungen und Korrekturen kritisch analysiert, um sie im Medium der Malerei subjektiv nachvollziehbar zu machen. Aus dieser gleichermaßen konservierenden wie offenlegenden Praxis entsteht das malerische Portrait einer Epoche, die mehr als andere einer umfassenden Bilderpolitik untersteht und deren subjektives Bildgedächtnis vielfach der omnipräsenten Bildwelt der Medien zum Opfer gefallen ist.

Kuratiert von Ralf F. Hartmann

Zur Ausstellung ist im Verlag Schirmer/Mosel München die Publikation „Gregor Cürten: Beziehungsweisen. Gemälde & Zeichnungen“ mit Texten von Ralf F. Hartmann, Kornelia Koepsell, Angelika Leik, Rosa von der Schulenburg, Gisela von Wysocki und Hans Zitko erschienen.



Hinweis: Diese Ausstellung ist bereits beendet!





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