Doppelausstellung: Sheila Barcik // Norbert Wiesneth

Dandelion Gray // Kunsthalle Kaliningrad

02.08.2013 - 31.08.2013

 

Bild zur Ausstellung

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Sheila Barcik

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Norbert Wiesneth

Eröffnung: Freitag 2. August, 19 Uhr

SHEILA BARCIK:
dandelion gray


In einer umfangreichen Einzelausstellung stellt der Kunstverein Tiergarten vier neue großformatige Bildblöcke und ausgewählte Einzelarbeiten der gebürtigen Amerikanerin Sheila Barcik vor. Aus Dutzenden aquarellierten Zeichnungen zusammengefügt, generiert die – erst kürzlich durch ein Stipendium der Wurlitzer Foundation ausgezeichnete – Künstlerin mit diesen Blöcken komplexe Bildtexturen, die über die zentralen Koordinaten Landschaft und Figur definiert werden. Sie skizzieren sensible Standort­bestimmungen des Subjekts in der sozialen Sphäre der Gegenwart. Themen wie Isolation und Gruppe, Distanz und Nähe, Geborgenheit und Schutzlosigkeit werden zu den entscheidenden Impulsen für ein in Einzelszenen, Fragmentierungen und großflächigen Narrationsebenen angelegtes Bildgeschehen. Bei­nahe signalhaft bestimmen wenige Grüntöne, Schwarz, obligates Blau und Weiß die gleichermaßen ruhevolle wie beunruhigende Konfrontation von Figuren und Raum, von Subjekt und Natur.

Immer weiter in die Abstraktion vordringend übernehmen symbolhaft gesetzte Körper, Flächen und Zeichen in diesen mental scapes die Funktion eines unerkennbaren, hermetischen Gegenübers. Solche Begegnungen zwischen Form und Figur, zwischen Landschaft und Wesen, sind von Sheila Barcik symbolisch angelegt, sie nehmen die Funktion exemplarischer Konstellationen ungleicher Kommunikationspartner in einer klassisch konnotierten Naturvorstellung ein. Die Frage des abstrakten Gegenübers wird dabei zu einer Untersuchung religiöser, politischer und kultureller Projektionen und Utopien innerhalb der menschlichen Konstruktion von Begriffen wie Landschaft und Natur. In den kleinen Zeichnungen immer wieder auf die Unmittelbarkeit solch ungleicher Begegnungen fokussierend, eröffnen diese – zu komplexen Blöcken zusammengefügt – weit über naturreligiöse Weltentwürfe hinausgehende Bildkontexte, die ebenso die kunsthistorischen Traditionen beispielsweise eines Hieronymus Bosch oder Caspar David Friedrich reflektieren, wie sie zahlreiche Referenzen an die Malerei der Moderne herstellen. Sheila Barciks Arbeiten sind gleichermaßen durch weit reichende Reduktion und Abstraktion in der Zeichensprache charakterisiert, wie sie auf der anderen Seite eine geradezu rauschhafte Opulenz und Detailfreude entwickeln.

Die Ausstellung präsentiert die vier neuen Bildblöcke in einem räumlichen Display, das sowohl auf den Entstehungsprozess der Arbeiten im Atelier verweist als auch die spezifische Konstruktion komplexer Bildräume Sheila Barciks akzentuiert.

Kuratiert von Ralf F. Hartmann.

NORBERT WIESNETH:
Kunsthalle 1913 – 2013 Автодом
Königsberg – Калининград


Ausgangspunkt für die umfassende Fotorecherche des Berliner Fotografen Norbert Wiesneth ist das 100-jährige Jubiläum der ehemaligen Kunsthalle Königsberg. Als das Haus 1913 vom damaligen Königsberger Kunstverein eröffnet wurde, galt es als die wichtigste Kunstinstitution im ehemaligen Ostpreußen und verfolgte bis in das Kriegsjahr 1943 ein ambitioniertes Ausstellungsprogramm. Neben ostpreußischen Künstlerinnen und Künstlern wurden regionale Persönlichkeiten wie Käthe Kollwitz und Lovis Corinth, aber auch internationale Berühmtheiten wie Vincent van Gogh oder Claude Monet präsentiert.

Auf der Grundlage alter Ausstellungskataloge, die sich in der Berliner Staatsbibliothek befinden, hat Norbert Wiesneth in umfassenden Bildstrecken charakteristische Motive für das heutige Leben in der russischen Oblast Kaliningrad ausgewählt. Angeregt von historischen Bildtiteln zeichnet er ein sensibles Portrait einer durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägten Stadt am Rande Europas zwischen Hoffnung und Resignation. In den Fotografien finden sich zahlreiche Hinweise ebenso auf die prominente Tradition der früheren ostpreußischen Hauptstadt und ihre Bevölkerung wie auf die Sowjetzeit und den Ausbau zu einer modernen sozialistischen Metropole. Heute am Rande Europas in wirtschaftlicher Stagnation begriffen, bilden verwahrloste Stadtteile und verfallene Gebäude den Rahmen für Wiesneths einfühlsame Portraits der heutigen Menschen in der vom Baltikum umschlossenen russischen Exklave.

Ein zentrales Motiv ist dabei die ehemalige deutsche Kunsthalle, ein neoklassizistischer Bau des Architekten Friedrich Lahrs, der auch für die Entwürfe der Königsberger Kunstakademie verantwortlich zeichnete. Heute ist die Geschichte des Gebäudes, das sich in Privatbesitz befindet und als Autowerkstatt und Zubehörgeschäft genutzt wird, weitgehend in Vergessenheit geraten. Ein Grund mehr für den Künstler parallel zur Ausstellung im Kunstverein Tiergarten, gemeinsam mit dem National Centre for Contemporary Arts Kaliningrad auch dort durch eine Ausstellung und Veranstaltungen an die Geschichte des Ortes zu erinnern. Das NCCA widmet sich seit Jahren der schwierigen Aufgabe, eine zeitgenössische Kunstszene in Kaliningrad zu etablieren und versucht über internationale Kooperationen, das kulturelle Leben in der Stadt zu fördern. Die erste institutionelle Partnerschaft mit dem Kunstverein Tiergarten Berlin stellt eine wichtige Unterstützung dieser Arbeit dar.

Die Ausstellung „Kunsthalle 1913–2013 Автодом“ stellt ausgewählte, in Kaliningrad und Litauen entstandene Fotoarbeiten von Norbert Wiesneth in einem an historischen Präsentationsformaten orientierten, multimedialen Display vor, das die unterbrochenen künstlerischen und kulturellen Traditionslinien bis in die Gegenwart nachzeichnet.

Kuratiert von Ralf F. Hartmann.


Hinweis: Diese Ausstellung ist bereits beendet!





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