on moons, maps, and butterflies

27.01.2012 - 03.03.2012

Katrin von Maltzahn & Ebba Matz

 

Bild zur Ausstellung

Ebba Matz

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Katrin von Maltzahn

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Die Ausstellung „on moons, maps and butterflies“ ist ein Dialog zwischen den beiden Künstlerinnen Ebba Matz (Stockholm) und Katrin von Maltzahn (Berlin). Eigens für die gemeinsame Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins Tiergarten konnten Katrin von Maltzahn und Ebba Matz jeweils eine neue Arbeit entwickeln und produzieren:
„Screens“ hat Katrin von Maltzahn ihre Arbeit betitelt. 10 Holzkästen bespannte sie hierfür mit gemusterten Stoffen, und zwar mit solchen, die wir gemeinhin mit Afrika verbinden. Ihre geometrischen oder stilisiert-organischen Muster boten für die Künstlerin eine Grundstruktur, an der sie sich orientierte, die sie durch Malerei partiell freilegte oder konterkarierte. Katrin von Maltzahn arbeitet stets in Serien. Hier hat sie sich zunächst am vorgegebenen Muster orientiert. Im Verlauf der Arbeit wurde ihr Umgang mit dem zugrundliegenden Muster zunehmend freier bis hin zur völligen malerischen Überformung des Bildträgers durch eruptive Farblandschaften. Die „Screens“ oszillieren insofern zwischen der malerischen Analyse und dem Fortschreiben des Vorgefundenen einerseits und dem Loslösen vom vorgefundenen Bild andererseits.
Der künstlerische Prozess beschränkt sich bei Katrin von Maltzahn allerdings nie auf die malerische oder grafische Aneignung des zugrundegelegten Materials, sondern umfasst umfangreiche Recherchen. Hier, im Falle der vermeintlich afrikanischen Stoffe, erwies sich, dass diese so genannten Wachs-Stoffe auf Handelswegen zwischen Indonesien und Holland in westafrikanische Länder gelangt sind. Als Erbe des Kolonialismus werden die Stoffe noch heute in den Niederlanden produziert und exportiert. In den afrikanischen Importländern sind die Muster dieser Stoffe symbolisch codiert. Sie kommunizieren gesellschaftliche Hierarchien, die Nichteingeweihten verborgen bleiben. Hier wie in vielen anderen Arbeiten fokussiert Katrin von Maltzahn nicht konkrete Bedeutungen, sondern die Bedeutungshaftigkeit von Zeichensystemen – ein Interesse, das sich von semantischen Aufladungen immer wieder löst, ihr Vorhandensein aber zugleich mitdenkt.

Ebba Matz hat für die Ausstellung eine aus insgesamt 1000 Zinngüssen bestehende Arbeit entwickelt und in unmittelbarer Auseinandersetzung mit den Räumen des Kunstvereins installiert. Die Form der einzelnen Figuren entstand zufällig; Ebba Matz konnte sie nur geringfügig beeinflussen, etwa durch die Menge des zu schmelzenden Zinns oder durch die Temperatur. Mit einem gewissen Augenzwinkern verweist die Künstlerin hier auf das Ritual des Bleigießens, das weltweit am Silvesterabend immer wieder spielerisch zelebriert wird. Im Rekurs auf den englischen Schriftsteller John Donne und dessen populär gewordene Sentenz „No man is an island“ sind die Zinnformen als sechs von der Decke herabhängende Inseln installiert. Die Schwerkraft, der die Zinngüsse ihre Entstehung verdanken, scheint aufgehoben. Die einzelne Figur, das Individuum, harrt hier nicht der orakelnden Deutung, sondern ist Teil eines in der Schwebe gehaltenen Zusammenhangs. Je nach Lichteinfall und Positionierung verhalten sich die Inseln immer wieder neu zum Raum und zu den visuellen Daten der Umgebung.
Das Zusammenspiel der beiden künstlerischen Positionen in der Ausstellung wird durch Nähe und Kontrast gleichermaßen geprägt. Was Katrin von Maltzahn und Ebba Matz miteinander verbindet, ist ihr Rekurs auf zeichenhafte Konstrukte. Dabei handelt es sich bei beiden allerdings um sehr unterschiedliche Vorlagen und der Umgang mit diesen Vorlagen offenbart sehr verschiedene künstlerische Zugänge. Dies wird in der Ausstellung durch eine Reihe von Arbeiten beiden Künstlerinnen aus den letzten Jahren deutlich.

Kennzeichnend für die Arbeit Katrin von Maltzahns ist das prozesshafte Fortspinnen von Mustern. Bei ihren „Screens“ sind es vorgefundene Stoffmuster, bei anderen Arbeiten können es visualisierende Modelle oder geometrische Grundformen sein. Immer entwickelt sie visuelle Erzählstränge, die sie in Serien sukzessive fortschreibt.
Ebba Matz hingegen verfährt völlig anders. Ihre Arbeiten sind eher als symbolische Setzungen zu begreifen. In konzeptueller Strenge realisiert die Künstlerin ihre einmal angelegten Ideen und Perspektivwechsel.
Das dialogische Zusammenspiel der Arbeiten von Ebba Matz und Katrin von Maltzahn ordnet sich im gemeinsamen Projekt zu einem offenen, aber gleichwohl rhythmisierten Gefüge von Bezügen und Abgrenzungen. Im Rahmen dieses Dialogs werden die Arbeiten beider Künstlerinnen in neuer Weise wahrnehmbar.

Dr. Claudia Beelitz, Kuratorin


Mit freundlicher Unterstützung der Karin-Abt-Straubinger-Stiftung und der Royal Swedish Academy of Arts Stockholm

www.katrinvonmaltzahn.com
www.ebbamatz.com



Hinweis: Diese Ausstellung ist bereits beendet!





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