Membrane

07.03.2019 - 20.04.2019

Jörg Brinkmann, Ursula Damm, Adelheid Mers, Rachel Smith, Moritz Wehrmann

 

Bild zur Ausstellung

Adelheid Mers

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Moritz Wehrmann

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Rachel Smith

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Jörg Brinkmann

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Ursula Damm

Eröffnung: Donnerstag 7. März, 19 Uhr
Begrüßung: Veronika Witte
Einführung: Sophia Gräfe (Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kultur­forschung Berlin)

Das von Ursula Damm initiierte Ausstellungsprojekt „Membrane“ präsentiert fünf Multimediakünstler*innen, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit Wahrnehmung, Lernen und Interaktion, sowie mit Methoden und Technologien künstlicher Intelligenz und neuronalen Netzwerken auseinandersetzen. In allen Positionen spielen die Prozesse der Filterung, der gegenseitigen Öffnung und Verschließung, der Durchdringung von Körper, Wahrnehmung und Maschine eine wichtige Rolle.

Basierend auf eigens für die Ausstellung entwickelten Computerprogrammen interagieren die künstlerischen Arbeiten mit dem sozialen Umfeld und den Besucher*innen, mal über virtuelle Realität, künstliche Intelligenz oder aber mittels analoger Bewegung und Sprache, und konfrontieren sie mit maschinell erzeugtem Lernen, Wahrnehmungsfiltern sowie mit analogen Bewegungsanalysen. Diese Membrane können dabei einmal selektive Barriere oder Grenze sein, dann wieder sind sie ein Text, ein System von Regeln, ein Spiel, ein Material oder sogar eine Maschine.

In einer interaktiven Installation von Ursula Damm analysiert eine in Zusammenarbeit mit Peter Serocka (Programmierung) und Teresa Carasco (Sonifikation) entwickelte Software das Geschehen auf der Straße vor der Galerie auf bestimmte Bildmerkmale. Das Lesen vom Bewegungsspuren wird dabei als eine Summe von parametrisierten Bildartefakten interpretiert. Bei diesen Interpretationen animiert der Algorithmus die gefundenen, grafischen Bildmerkmale zu neuen Bildern, die interaktiv gesteuert, verändert und manipuliert werden können. Rachel Smith geht eine kollaborative Beziehung mit einem neuronalen Netzwerk ein und kommuniziert mit dessen Blackbox. Dabei entschlüsselt sie dessen versteckten Verhaltensmuster und Prozesse und macht diese analog rezipierbar. Die Arbeit von Adelheid Mers ist zum Teil Gesprächs- und Bewegungslabor, zum Teil zeichnerische und digitale Auswertung und Verdichtung des Prozesses während der gesamten Ausstellungsdauer. Ihre Praxis der ‚Performativen Diagrammatik‘, die von den Besucher*innen auch in begleitenden Workshops näher kennengelernt werden kann, entwickelte Mers aus Algorithmen (Robert Woodley, Programmierung) und dem Interesse an der gegenseitigen Durchdringung von Körperwissen und Sprache. Jörg Brinkmann befragt in seiner Installation die Verfasstheit der Selbstwahrnehmung in simulierten Welten sowie die Machtposition derer, die diese Welten kreieren und in denen wir uns als Betrachter zu bewegen haben. Moritz Wehrmann erweitert in seiner poetischen Installation mittels einfacher optischer Instrumente die Wahrnehmung des Betrachters – eine Membran zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Er lenkt den Blick in die vermeintliche Ferne, lenkt ihn um und wirft ihn auf irritierende Weise auf die Netzhaut des Betrachters zurück, der in einem ‚closed circuit‘ am Ende sich selbst erkennt.

In einer Zeit von selbstlernenden Algorithmen künstlicher Intelligenzen, die u. a. den Daten­strom der von uns täglich hochgeladenen Informationen analysieren, Profile erstellen, den passenden Partner suchen, Prognosen anbieten oder Bilder, Musik und Texte erschaffen, hinterfragen und emanzipieren die Künstler*innen die Rolle des Betrachters und Nutzers und laden zu einer kulturellen Technologiedebatte ein.

Mit freundlicher Unterstützung der bezirklichen Förderfonds der Senatsverwaltung Kultur und Europa und dem Kreativfonds der Bauhaus-Universität Weimar




Begleitende Veranstaltungen:

Mi 20. 3., 19 Uhr
Ausstellungsrundgang
mit Sophia Gräfe und den Künstler*innen

9. 3. – 16. 4.
Performative Diagrammatik
Workshops mit Adelheid Mers und Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar und der School of the Art Institute Chicago

Um Anmeldung wird gebeten (unter info@kunstverein-tiergarten.de). Weitere Termine zwischen dem 12. und 23. März nach Vereinbarung. Die Teilnahme ist kostenlos.

Adelheid Mers Diagrammatische Schablonen leiten sich aus hochgradig komprimierten Texten zu Kunst und Kultur und Gesprächen, vor allem mit Künstlerinnen, ab. Gleichzeitig enthalten sie die Aufforderung, in neuen Gesprächen performativ, experimentell und spielerisch entfaltet zu werden. Deshalb sind Workshops, in denen Besucher in die Diagramme eingeführt werden, um sie dann gemeinsam aktiv zu erproben, ein elementarer Bestandteil dieser Ausstellung.
Drei Module werden angeboten. „The Fractal 3-Line Matrix“ ist ein zweidimensionales Werkzeug, das nicht-hierarchische Formen der Informationserfassung visualisiert. Im Workshop wollen wir die multiplen Funktionen der Schablone an einem Textbeispiel ausprobieren. Teilnehmer werden lernen, die in der Matrix enthaltene Methode selbständig anzuwenden oder auch abzuwandeln.
Das dreidimensionale Modul „The Braid“ lädt dazu ein, gesellschaftliche, wissenschaftliche und kreative Bedingungen, unter denen Teilnehmer des Workshops selbst alltäglich agieren, synergistisch zu betrachten. Teilnehmer aus dem Kulturbereich, die in künstlerischen, kritisch-theoretischen und verwaltend-leitenden Positionen arbeiten, sind eingeladen, ihre Beobachtungen in rotierenden Zweiergruppen in die Schablone einzuschreiben.
Das Workshop Modul „Performative Topologien“ ist als Spiel- und Bewegungslabor konzipiert. Anders als in den beiden anderen Workshops ist der Ausgangspunkt hier ein rein sprachlicher Algorithmus. Dieses Modul stellt die Frage, wie die Präsentation eines imaginären Objekts unter rapide wechselnden Perspektiven (z. B. Vorstellen und Beschreiben, Skizzieren und Notieren, sowie gestisches Darstellen) zum Verständnis eigener Wertfindung beiträgt. Hier entsteht dann sozusagen ein räumliches Diagramm aus der gemeinsamen Performance, die den Workshop abschliesst.
Durch ihre Beiträge zu den Workshops unterstützen Teilnehmer einerseits die Künstlerin in der Weiterentwicklung ihrer Arbeit, der Performativen Diagrammatik - andererseits haben sie die Möglichkeit, eigene Wahrnehmungs-, Wertungs-, Denk- und Darstellungsprozesse aktiv auszutesten und mit anderen zu teilen.

Sa 9. 3., 17–19 Uhr
Performative Topologien
mit Adelheid Mers

Do 14. 3., 17–19 Uhr
The Braid
mit Adelheid Mers

Fr 15. 3., 17–19 Uhr
Fr 22. 3., 17–19 Uhr

Performative Topologien
mit Adelheid Mers

Do 21. 3., 17–19 Uhr
Fractal 3-Line Matrix
mit Adelheid Mers

Fr 5. 4., 17–19 Uhr
Performative Topologien
mit Sarah Hermanutz und Ruo-Jin Yen

Di 16. 4., 17–19 Uhr
Performative Topologien
mit Maud Canisius und Sarah Hermanutz






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